Training, Verhaltensberatung & Therapie

Ab wann ist ein Hund eigentlich ein "alter Hund"?


Diese Frage lässt sich sicherlich nicht pauschal beantworten. Dafür können zu viele Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Das wären zum Beispiel:

  • Rassezugehörigkeit und deren durchschnittliche Lebenserwartung
  • allgemeiner Gesundheitszustand
  • Haltungsbedingungen und Pflege
  • individuelle körperliche und mentale Konstitution

Unterschiedlicher Alterungsprozess: Rasse und Größe

Das Alter eines Hundes zu berechnen, hängt vorrangig erst einmal von der Größe und der Rasse des Hundes ab. Größere Rassen altern schneller als kleine Rassen.

So ist es nicht selten, dass Shih Tzu´s, Dackel oder Jack Russel Terrier 15 Jahre und älter werden. Andere Rassen sterben bereits deutlich früher und sind trotzdem alt geworden. Der Leonberger, der Irish Wolfhound oder Berner Sennenhund zum Beispiel werden kaum älter als 6 – 8 Jahre. Im "Mittelfeld", mit einer Lebenserwartung von etwa 10 bis 15 Jahren, liegen Labrador Retriever, Dobermann, Irish Red Setter.

Mischlinge aus den verschiedenen Rassen werden meist älter, als die Rassen, aus denen sie ursprünglich entstammen. Dieses liegt an der ganz neuen Gen-Zusammensetzung.

Wie jedoch schon zuvor aufgeführt sind eine Reihe anderer Faktoren mit ausschlaggebend, ab wann ein Hund zum "'alten Eisen" gehört und wie lange er lebt.

Steigende Lebenserwartung

Nicht nur bei uns Menschen gab es im Laufe der Zeit die Entwicklung, dass die Lebenserwartung gestiegen ist. Auch bei Hunden ist diese Entwicklung zu sehen. In unseren Breitengraden sind bereits 25% der Menschen zwischen 60 und 100 Jahren alt. Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zufolge wird ein Drittel der Bevölkerung im Jahr 2030 über 60 Jahre alt sein. Diese Altersstruktur ist bei unseren Hunden längst erreicht.

So wie wir werden auch sie immer älter. Waren 1967 gerade einmal 19 Prozent der Tiere zwischen 10 und 19 Jahren alt, so gehörten 1997 bereits 46,7 Prozent dieser Altersklasse an.

Allein im Zeitraum von 1982 bis 1996 ist die Lebenserwartung von Hunden um über zwei Jahre gestiegen, so dass inzwischen fast jeder dritte Hund in Deutschland zu den Senioren zählt. 1982 wurden Hunde im Durchschnitt 9,5 Jahre, 2005 bereits 11,9 Jahre. Das ist ein Plus von 25%! (Quelle Myonlinepanel Umfrage 10/05). Wobei viele dieses Alter um einiges überbieten, denn auch hier gilt, dass Ausnahmen die Regel bestätigen.

Ist mein Hund alt?

Um das festzustellen ist es sicherlich nötig, den Hund im Alltag genau zu beobachten. Denn eine graue Schnauze macht längst noch nicht alt! Ich kenne viele Hunde, die bereits sehr grau um Schnauze und Augen sind, aber noch weit davon entfernt sind, ein Senior zu sein. Manche Rassen, wie zum Beispiel der Labrador Retriever, werden häufig schon im Alter von 5-7 Jahren grau und sehen damit deutlich älter aus, als sie eigentlich sind.

Alt werden ist ein Prozess und passiert nicht über Nacht. So fällt Ihnen vielleicht nach und nach auf, dass die Spaziergänge immer länger dauern, obwohl Sie die gleiche Streckenlänge laufen. Oder das der Hund nach der üblichen Runde längere Ruhephasen braucht, um wieder fit zu sein.

Vielleicht ist es auch so, dass Ihr Hund auf Rufen nur noch mäßig hört, obwohl der Rückruf zuvor immer perfekt geklappt hat. Das kann daran liegen, dass das Hörvermögen im Alter nachlassen kann. Mit Alterssturheit hat das in diesem Fall nichts zu tun.

Oftmals neigen Hunde auch dazu, Hautveränderungen zu bekommen: Warzen und Knötchen, die zuvor nicht vorhanden waren, sind zu ertasten. Hier müssen Sie nicht gleich in Panik geraten. Auch das gehört mit unter zum Altwerden.

Auch im Verhalten können Veränderungen auftreten. Vielleicht fällt Ihnen auf, dass das Jagdverhalten nachlässt und dem Hasen nur noch hinterhergeschaut wird statt diesem hinterzurennen. Oder es wird Angstverhalten gegenüber verschiedenen Dingen und in unterschiedlichen Situationen gezeigt, welches Ihnen völlig neu ist. Das kann mit einer Funktionsreduzierung der Sinnesorgane zusammenhängen. Hunde, die schlechter sehen, hören und riechen reagieren nicht selten mit heftigeren Schreckreaktionen und werden unter Umständen im Alltag unsicherer und haben ein gesteigertes Bedürfnis, sich an seine Menschen zu "kletten".

Achtung: Es ist wichtig, dass Sie die vorgenannten Veränderungen grundsätzlich vom Tierarzt abklären lassen und es nicht einfach auf das Alter schieben! Denn natürlich können auch Ohrenentzündungen, akute Gelenkerkrankungen und bösartige Tumore, Allergien usw. für eine Veränderung sorgen. Das gilt es immer abzuklären!