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Der alte Hund - körperliche Veränderungen: Die Beweglichkeit

Natürlich gibt es große Unterschiede, ab wann sich beim Hund Einschränkungen aufgrund des Alters zeigen. Manch ein 15-jähriger hüpft noch unermüdlich wie ein Flummi auf und ab und kann mehrstündige Spaziergänge locker durchhalten. Auf der anderen Seite können auch „erst“ 9-jährige Hunde stark eingeschränkt in der Beweglichkeit und Ausdauer sein.

Wie schon im Teil 1 der Themenreihe „Der alte Hund“ erwähnt, sind die Unterschiede oftmals auf Rassezugehörigkeit und individuelle Konstitution zurückzuführen.

Hund im Blick - alte Hunde, die BeweglichkeitRampen helfen beim Aus- und Einsteigen. Auch Stufen zum Haus können damit sicher und schmerzfrei überwunden werden

Im fortgeschrittenen Alter haben einige Hunde orthopädische Probleme. Sie zeigen also Veränderungen an Gelenken, Sehnen, Bändern oder Muskeln. Ganz besonders häufig sind schmerzhafte Arthrosen, die dem Hund Probleme bereiten, die Folge von Verschleißerscheinungen der Gelenke.

Diese Beschwerden erkennt man insbesondere an plötzlichen Schwierigkeiten beim Aufstehen, Hinsetzen und Hinlegen. Auch zuvor sonst mühelos durchgeführte Aktivitäten, wie ins Auto springen oder Treppen steigen, fallen den Hunden schwerer. Das Gangbild verändert sich: die Schritte werden kürzer und steifer. Je nachdem, wie stark der Verschleiß ausgeprägt ist, lahmt der Hund mehr oder weniger. Oftmals kann man auch beobachten, dass der Kopf weiter unten getragen wird.

Hund im Blick - der alte Hunde, die BeweglichkeitSich zu strecken und zu recken ist für einen Hund normal. Wenn dieses aber deutlich häufiger als üblich gezeigt wird, kann es auf Schmerzen hindeuten

Typisch ist, dass die Beschwerden am Morgen stärker ausgeprägt sind und sich im Laufe des Tages, wenn sich der Hund eingelaufen hat, bessern. Achten Sie darauf, ob sich Ihr Hund schwer tut beim Aufstehen, sich öfters als sonst um die eigene Achse dreht, bevor er sich hinlegt oder ob er sich häufiger Streckt als sonst. Das alles können Hinweise auf Schmerzen sein.

Natürlich können langanhaltende, starke Schmerzen auch Auswirkungen auf das Verhalten eines Hundes haben. Einige Hund zeigen Berührungsempfindlichkeiten, andere hingegen werden anlehnungsbedürftiger und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Was viele Hundehalter als Altersstarrsinn betiteln beruht unter Umständen auf körperliche Beschwerden und Veränderungen. So überlegt es sich ein Hund, der starke Schmerzen hat, sicherlich mehrmals, ob er einem Rückruf zackig folgt oder ob er lieber erst nach dem dritten Rufen (die ersten zwei Rufe hat er evtl. wegen des verringerten Hörvermögens vielleicht gar nicht wahrgenommen) langsam heranschlendert und so die Gelenke schont und Energie spart.

Das starke Schmerzen ängstlich oder aggressiv machen können, ist nicht wirklich verwunderlich. Das kennen wir von uns selber. Und auch Hunde können derart auf Schmerzen reagieren. Sie lassen sich vielleicht nicht mehr gerne trocken rubbeln nach einem Regenschauer und zeigen uns das dann auch sehr deutlich indem sie (bestenfalls) Knurren und Abschnappen. Häufig ist auch zu erleben, dass Hunde, die sonst nie Probleme mit Artgenossen hatten, diese plötzlichen anknurren um sich diese so vom Leib zu halten. Ich bin mir ganz sicher, dass Hunde Angst vor Schmerzen haben und sich so selber schützen.

Aufgrund der Schmerzen kann einigen Vierbeinern im wahrsten Sinnes des Wortes der Appetit vergehen.

Zeigt der Hund Symptome, die auf Schmerzen hindeuten, so sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden um die Ursachen abklären zu lassen. Als Hundehalter steht man in der Pflicht, seinem Hund einen (weitgehend) schmerzfreien Lebensabend zu ermöglichen!

Hund im blick - der alte Hund, die BeweglichkeitEine Behandlung unter wärmenden Rotlicht vom Physiotherapeut tut alten Knochen gut

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, die Schmerzen lindern können. Nicht nur die klassische Schmerztherapie kann helfen, sondern auch die Osteopathie, Tellington-TTouch, Physiotherapie, Aquatherapie, Akupunktur, Akupressur, Blutegeltherapie, Homöopathie usw..

Im Alltag gilt: helfen Sie Ihrem Hund dort, wo er Hilfe benötigt! Rampen erleichtern den Einstieg in das Auto. Muss der Hund Treppen steigen, um in die Wohnung, in das Haus zu gelangen, so können spezielle Geschirre oder Tragevorrichtungen dabei helfen. Diese haben eine besonders breite und gepolsterte Auflagefläche, die unter dem Bauch verläuft und eine Handschlaufe an der Oberseite um den Hund so zu unterstützen. Es gibt auch Hilfsgeschirre, mit denen Sie die Hinterläufe unterstützen können, wenn es notwendig ist. Bandscheibenvorfälle und Hüftprobleme machen dieses oftmals nötig.

Ein Hund, der Probleme beim Ablegen oder Absitzen hat, sollte nicht all zu häufig aufgefordert werden, sich in diese Position zu begeben. Ein gut aufgebautes „Steh" (und ggf. Bleib“) kann das übliche Sitz oder Platz in den nötigen Situationen ebenso ersetzen.

Passen Sie Länge und Dauer der Spaziergänge der Ausdauer Ihres Hundes an. So können 4 kleinere Runden angenehmer sein als 2 großen Runden. Möchte man seinen alten Hund auch auf längere Wanderungen mitnehmen, so ist es möglich, ihn an einen Hundebuggy zu gewöhnen. So kann er darin immer wieder pausieren, wenn es nötig ist.


Hund im Blick - der alte Hund, die BeweglichkeitEin Wintermantel schützt die Gelenke und Muskeln vor Kälte

Nässe und Feuchtigkeit kann Gift für die Gelenke sein. Daher wäre bei Schmuddelwetter das Tragen eines Regenmantels absolut sinnvoll. Dasselbe gilt für Kälte. Im Winter sind daher wärmende Mäntel ebenfalls hilfreich. Lassen Sie den Hund nur bei warmer Witterung ins Wasser. So vermeiden Sie ein rasches Abkühlen der Muskulatur.

Ein Hund mit körperlichen Beschwerden muss nicht ruhig gestellt werden. Ganz im Gegenteil! Die erkrankten Gelenke können durch eine gute Muskulatur unterstützt werden. Bewegt sich der Hund zu wenig, so wird sehr zügig Muskulatur abgebaut.

Wobei es bei akuten Erkrankungen natürlich angemessen sein kann, die Aktivitäten für einen gewissen Zeitraum deutlich zurückzuschrauben. In diesem Fall können Massagen und Tellington TTouch dabei helfen, dass die Muskulatur nicht zu sehr abbaut.

Welche Art und welches Maß an Bewegung geeignet ist, muss im Einzelfall mit dem Tierarzt, dem Tierphysiotherapeut oder dem Osteopath abgesprochen werden.

Auch über die Ernährung kann dem Abbau von Muskulatur entgegengewirkt werden. Dieses kann durch ausreichende Fütterung von hochwertigem, leicht verdaulichem Eiweiß (z.B. enthalten in Muskelfleisch, Ei oder Milcheiweiß) erreicht werden. Jedoch ist auch hier zu beachten, dass zu viele Proteine die Nieren belasten können – denn diese werden über die Nieren abgebaut.

Zu beachten ist auch, dass unter Umständen der Kaloriengehalt der Mahlzeiten reduziert werden muss um Übergewicht vorzubeugen. Denn jedes Kilo, was der Hund zuviel tragen muss, belastet die Gelenke.

Ein Ernährungsberater kann Ihnen hier im Zweifel weiterhelfen und einen individuellen Futterplan erstellen.

 

So ein Buggy für Hunde eignet sich sehr gut, wenn Sie auch auf langen Spaziergängen und Wanderungen nicht auf die Gesellschaft Ihres Hundes verzichten möchten. Oder der Hund nicht auf Ihre Gesellschaft. Viele Hunde sind ja, trotz Ihrer Gebrechlichkeit, gerne weiterhin immer mit dabei. Wann immer es nötig ist, kann der Hund in den Buggy einsteigen und sich darin erholen, während Sie Ihren Weg fortsetzen. Oftmals benötigt es etwas Übung, bis sich der Hund dabei entspannen kann, während Sie schieben.



Aquatherapie bei einem Tierphysiotherapeuten ist besonders gelenkschonend. Vor allem "Wasserratten" kommen hier voll auf ihre Kosten. Da das Wasser angenehm temperiert ist, muss auf den gesunden Badespaß auch im Winter nicht verzichtet werden.



Bademäntel für Hunde verhindern das Auskühlen auf dem Weg nach Hause.
















Quellenangaben: Graue Schnauzen von Dorothee Dahl, Auf gute alte Tage von Thekla Vennebusch und Katrin Busch-Kschiewan,  Vom Welpen zum Senior von Sophie Strodtbeck, Rückenprobleme beim Hund von Anders Hallgren