Training, Verhaltensberatung & Therapie

Pfützenwasser: Saufen lassen oder lieber nicht?

Es kommt immer wieder vor, dass Kundenhunde während der Trainingsstunde aus Pfützen saufen. Nicht selten schauen mich die Halter verunsichert an und fragen, ob das okay wäre oder ungesund.  

Bei der Frage kläre ich gerne über die Risiken auf und dann liegt es am Halter, für seinen Hund zu entscheiden. Es kann 1000 mal ohne Folgen bleiben, wenn der Hund aus den Pfützen säuft, aber ab und an kann es eben doch unerwünschte „Nebenwirkungen“ für den Hund geben.  

Abgesehen von möglichen Rückständen an Dünger und Pflanzenchemikalien (vor allem im Frühjahr) gibt es in Pfützen Krankheitserreger, die Ärger machen können. 

Die geringere Gefahr geht sicherlich von den Giardien (das sind Einzeller, die als Parasiten im Darm von Hunden auftreten) aus, die sich in der Pfütze tummeln.

Die Hunde infizieren sich über die Fortpflanzungsstadien des Parasiten (Zysten), die mit verunreinigtem Wasser, z. B. Pfützen aufgenommen werden. Aber nicht nur im Pfützenwasser sind die Giardien zu finden. Eine Erregerübertragung kann auch durch das Aufschlecken von infiziertem Hundekot geschehen oder ganz einfach durch das Abschlecken der Pfoten, wenn diese mit den Parasiten Kontakt hatten. Dem Hund reichen sehr wenige Zysten um sich anzustecken. Über den weiteren Verlauf der Krankheit entscheidet letztlich der Zustand des Immunsystems.

Symptome einer Ansteckung zeigen sich zum Beispiel durch Durchfall, Erbrechen, Appetitmangel oder Bauchschmerzen. 

Eine sichere Diagnose, ob es sich um einen Giardienbefall handelt oder nicht, kann der Tierarzt mittels einer Sammelkotprobe (von 3-5 Tagen) erstellen.

Behandelt werden die Hunde mit antiparasitisch wirksamen Medikamenten. Zudem müssen evtl. Medikamente gegen Durchfall, Erbrechen etc. verabreicht werden. Wirklich lästig sind zudem die hygienischen Maßnahmen, die durch den Hundehalter zu treffen sind: Abwaschbare Flächen im Haushalt mit Dampfstrahler abspritzen, Decken und Kissen heiß waschen, Näpfe und Spielzeug täglich mit kochendem Wasser reinigen usw.. So werden die Zysten aus der Umgebung entfernt (das Auto ggf. bitte nicht vergessen). Es macht auch Sinn, das Fell des Hundes mit Shampoo auszuwaschen.  Bei langhaarigen Hunden sollten die Haare im Analbereich eventuell kurz geschoren werden.   

Die gute Nachricht: eine korrekte Behandlung führt in den meisten Fällen zur Genesung. Allerdings kann die Infektion, besonders bei vorerkrankten und immunschwachen Hunden (Welpen oder Senioren zum Beispiel) auch einen schweren Verlauf nehmen, der leider auch tödlich enden kann.     

Aber, wie oben schon angemerkt: Die Infektion mit Giardien kann quasi überall auf dem Spaziergang erfolgen. Die Pfützen sind da nur ein Teil des Risikos.   

Weit aus größere Folgen kann die Infektion mit dem Erreger namens Leptospiren sein. Das sind dünne, fadenförmige Bakterien, die sich im gesamten Körper des Hundes ausbreiten können. Es gibt verschiedene Leptospiren-Arten. Hauptwirte der Leptospiren sind wild lebende Nagetiere wie Mäuse und Ratten sowie auch Insektenfresser oder Wildschweine. Die Erreger werden von infizierten Tieren mit dem Urin ausgeschieden. Eine große Gefahr stellt dabei mit den Bakterien verunreinigtes (Pfützen-) Wasser dar.   

Aber nicht nur im Pfützenwasser sind diese Erreger zu finden. Häufig stecken sich die Hunde auch beim Baden in stehendem oder langsam fließendem, warmen Gewässer an. 

Die Leptospiren gelangen über die Schleimhäute der Augen, der Nase, des Maulraums, des Verdauungstrakts und der Geschlechtsorgane in die Blutbahn des Hundes und mit dem Blut dann in die inneren Organe, meist sind Leber und Nieren betroffen. Dort vermehren sie sich rasch, wobei es zu mehr oder weniger schweren Organschäden - sogar mit tödlichem Ausgang - kommen kann. Viele Leptospiren-Infektionen verlaufen jedoch auch ohne klinische Symptome oder werden gar nicht erst entdeckt, da die Symptome so uneindeutig sind und auf viele Krankheiten hinweisen können.   

Die Leptospirose beim Hund äußert sich, je nach Leptospiren-Art und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Hundes, sehr unterschiedlich. Teilweise treten zunächst gar keine Beschwerden auf und die Erkrankung ist eher ein Zufallsbefund. Ruft die Leptospiren-Infektion dagegen Symptome hervor, treten allgemeine Mattigkeit und Fieber beim Hund auf. Außerdem verweigert der Hund das Fressen, Erbrechen und Durchfall kommen ebenfalls häufig vor.  

Viele Tierärzte raten dazu, den Hund gegen Leptospirose impfen zu lassen. Jedoch: Der Impfschutz gegen Leptospirose ist leider nicht so sicher wie z.B. gegen Tollwut.

Das hat verschiedene Ursachen: Impfstoffe gegen bakterielle Erreger sind viel schwieriger herzustellen als gegen Viren, und bei den Leptospiren handelt es sich um eine Gruppe von Bakterien.

Hier gilt es bei Bedarf, nochmals Rücksprache mit dem Tierarzt Eures Vertrauens zu halten.

Ebenfalls im Sommer des Öfteren in Pfützen zu finden: die Blaualge. Diese kann zu schweren Vergiftungen mit Todesfolge führen. In meinem nächsten Artikel „Blaualgen – wenn das Schwimmen im Sommer für den Hund zur Gefahr wird“ erfahrt ihr mehr über die Blaualge.

Ich empfehle, dem Hund während des Spaziergangs gelegentlich frisches Wasser anzubieten. Es gibt Flaschen mit integrierter Trinkschale, die man sich an den Gürtel klemmen kann oder auch Faltnäpfe, die sich gemeinsam mit einer Wasserflasche sehr gut in einem Rucksack verstauen lassen. Bitte vergesst nicht, dass Lernen und Schnüffeln durstig macht! Trainiert ihr auf den Spaziergängen fleißig, so nehmt auf jeden Fall Wasser mit. Auch dann, wenn es nur 10 Grad sind.